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St. Johannis zu Memel |
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Dort, wo sich einst die Kirche St. Johannis über die Stadt Memel erhob, kündet heute auf einer weiten Rasenfläche nur noch ein in Stein nachgelegter Grundriss von ihrer verlorengegangener Existenz. Das Gebäude verschwand zwar infolge der Kriegsereignisse, doch geblieben sind außer den Erinnerungen der einstigen, nun schon recht betagten Kirchenbesucher aber die Kirchenbücher, Seitenlang wird in Tauf-, Heirats- und Tortenregister das Leben und Sterben in dieser Stadt dokumentiert. Wer dort nach seinen Vorfahren sucht und Seite um Seite durchsieht, der wird möglicherweise hin und wieder fündig, wer aber zwischen den Zeilen zu lesen vermag, dem wird so manches erschlossen, was nicht unbedingt in Heimat- und Geschichtsbüchern zu finden ist. |
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Die Kirchenbücher von St. Johannis seit 1615 liegen heute in Mikroverfilmung vor und sind auch von Laien einsehbar, beispielsweise in den Genealogischen Forschungsstellen der Mormonen, welche in vielen Städten Deutschlands zu finden sind. Die Suche nach den Ahnen kann allerdings zur berühmten Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen werden und wenn man Register für Register durchsieht, dabei oft nicht fündig wird, dann fällt einem so ganz nebenbei die eine oder andere Besonderheit auf, die uns fremd und erklärungsbedürftig erscheint.
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Die Taufregister der ersten Jahre beginnen mit recht knappen Eintragungen. Wichtig waren damals Name und Tauftag des Kindes sowie Name und Stand des Vaters, aber selbst diese Angaben waren nicht immer vollständig und eindeutig. Heute, nach über 400 Jahren, kann man schwerlich herausfinden, um wen es sich dabei handelte. Unumgänglich waren auch die Taufpaten, die normalerweise aus dem Kreis der Verwandtschaft stammten, aber je höher der Stand, desto zahlreicher und hochrangiger waren diese.
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Der Tag der Geburt und der Name der Mutter wurde erst viel später als erwähnenswert empfunden, und wenn die Mutter nicht verheiratet war, dann drohte ewigliches geistliches Ungemach. Die Eintragungen im Trauregister für solche "in Unehren gezeugte Kinder" wurden verkehrt herum geschrieben und irgendwann wurde überdies ein besonderes Taufregister für die unehelichen Kinder angelegt. Dort heißt es dann seitauf seitab "ein Hurenkind getauft", "den außer der Ehe gezeugten Sohn der Anna ... getauft."
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Selbstverständlich zählte man auch sonst bei den Neuvermählten die Monate nach, und wenn ein Kind vor der Zeit kam, dann wurde diese Schande im Heiratsregister mit entsprechenden Anmerkungen dokumentiert.
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| Heiratsregister sind für Familienforscher besonderes interessant, werden hier doch die Verwandtschaftsverhältnisse dargelegt. Neben Namen und Alter der Brautleute werden auch Stand und Beruf genannt sowie Angaben zu den Brauteltern und deren Wohnort gemacht. Wichtig für den Forscher ist zu wissen, wo die Trauung stattgefunden hat, denn "nach vorgefundenem Brauche ist der trauungsberechtigte Pfarrer derjenige Pfarrer, in dessen Pfarrei das Brautpaar nach vollzogener Copulation (Trauung) seine Wohnung nehmen will..." So jedenfalls heißt es zur Frage der Zuständigkeit in einem Trauregister von 1858. |
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Schon früh führte man einfach Statistiken, zählte zunächst einfach nur Taufen, Heiraten und Todesfälle pro Kirchenjahr, das jeweils am 1. Advent begann. Später wurden die Statistiken mehr und mehr verfeinert. Man unterschied nach der Zugehörigkeit zur Stadt-, Land-, oder Garnisonsgemeinde, man führte Buch, wer die Amtshandlungen vollzogen hatte, schlüsselte in Sterbetabellen nach Altersgruppen und Todesursachen auf, wobei hier insbesondere die Fälle ins Auge springen, in denen ein Leben durch Krankheit oder Unglücksfall vor seiner Zeit endete. Dass die Kindersterblichkeit in den früheren Jahrhunderten erschreckend hoch war, schlägt sich auch in den Statistiken von St. Johannis nieder. Wer jedoch diese kritische Phase überstanden hatte, der hatte durchaus eine Chance, alt und sogar steinalt zu werden. So starb zum Beispiel 1720 ein 106 Jahre alter Sergeant, 1792 verschied eine Witwe im Alter von 103 Jahren "an Entkräftung", und im Jahre 1798 starb ein Witwer 101-jaehrig. Inwieweit diese Angaben zuverlässig sind, muss dahingestellt bleiben, denn oftmals kannten die Leute damals das genaue Geburtsjahr gar nicht.
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Eine ganz andere Dimension enthält dann aber eine andere Eintragung, die von dem Tod eines Säufers, neudeutsch Alkoholabhängigen, berichtet: Am 12. September 1782 "ist der ehemalige Schlachter ..., ein zuletzt ganz versoffener Kerl von circa 58 Jahre, in einem liederlichen Haus elendig crepieret und vor dem Brückentor an der Bande verscharrt worden."
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Diese Ausschnitte wurden von Rüdiger Bertscheit durchgesehen, die im Memeler Dampfboot (Nr. 11 - November 2000 und Nr. 12, Dezember 2000) übernommen. Für den ganzen Artikel, bitte das Memeler Dampfboot kontaktieren.